Laudatio

Laudatio bei der Verleihung des Annette Barthelt-Preises für die Auseinandersetzung mit Terror und Gewalt an die Initiative „Brücken bauen“ (Bergisch Gladbach)
am 26.9.2007 in Bad Godesberg auf der Godesburg

von Clemens Ronnefeldt,

Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Generalkonsul, liebe Gäste aus Serbien,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Annette Barthelt-Stiftung,
liebe „Brückenbauerinnen“ und „Brückenbauer“ aus Bergisch Gladbach,

es ist mir eine große Freude und Ehre zugleich, heute die Laudatio für die Initiative „Brücken bauen“ halten zu dürfen. Eine Brücke benötigt immer zwei Fundamente, damit sie tragfähig ist: Im Falle der Initiative „Brücken bauen“ steht eines in Deutschland und eines in Jugoslawien. Um zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen eine Verbindung herzustellen, ist das Kennenlernen der Sprache der jeweils anderen Seite eine wichtige Voraussetzung. Damit sich unsere Gäste aus Serbien heute noch ein wenig wohler fühlen, möchte ich sie in ihrer Sprache begrüßen – und diese Sätze für alle deutschen Gäste übersetzen.

Dobro dosli – Herzlich willkommen!

Ja se jako radujem sto ste vi danas dosli u Bonn.- Ich bin sehr froh, dass sie heute nach Bonn gekommen sind.

Ich wünsche uns, dass der heutige Tag ein Beitrag zur Festigung der Freundschaft und Aussöhnung zwischen Deutschen und Serben wird.

1. Kurzvorstellung von Clemens Ronnefeldt und des Internationalen Versöhnungsbundes

Liebe Gäste,

zu Beginn meiner Laudatio möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin gebürtiger Wormser, 47 Jahre alt oder jung – je nach Sichtweise -, habe an der Universität in Mainz und an der philosophisch-theologischen Hochschule der Jesuiten in Frankfurt katholische Theologie studiert und eine Diplomarbeit über die Hoffnung geschrieben. Von 1986 bis 1992 war ich Vorsitzender der katholischen Friedensbewegung Pax Christi im Bistum Mainz.

1992 wechselte ich als Referent für Friedensfragen zum deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes, wo ich bis heute tätig bin.

Der Internationale Versöhnungsbund wurde 1914 von Professor Friedrich Sigmund-Schultze gegründet, der zur Verhinderung des 1. Weltkrieges zu einer internationalen Friedenskonferenz für kirchliche Entscheidungsträger nach Konstanz eingeladen hatte. Während der Konferenz wurde der 1. Weltkrieg offiziell erklärt.

Am Kölner Hauptbahnhof versprachen sich die britischen und deutschen Teilnehmer, nicht aufeinander zu schießen und an ihrer Freundschaft festzuhalten.

Diese Freundschaftbrücke hielt – und inzwischen gibt es rund 100 000 Mitglieder in rund 40 Staaten der Erde. Bekannte Persönlichkeiten unseres Verbandes sind die Friedensnobelpreisträger Martin Luther King und Adolfo Perez Esquivel. Der Internationale Versöhnungsbund hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Dass ich eingeladen wurde, heute diese Laudatio zu halten, hat sicherlich auch mit meinem eigenen Engagement in Sachen Jugoslawien zu tun.

Zwischen 1992 und 2001 war ich siebzehnmal in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien – insgesamt über einen Zeitraum von rund 10 Monaten. Auf Einladung der Anti-Kriegskampagne in Zagreb sammelte ich 1992 erste Erfahrungen in einem Lager mit rund 5000 Flüchtlingen in Djakovo bei Osijek. Im bosnischen Sanski Most richtete ich für eine Friedensfachkraft des Versöhnungsbundes mit UN-Hilfe eine Beratungsstelle für rückkehrende Flüchtlinge ein.

Im Auftrag der Zivildienstseelsorgestellen mehrerer Bistümer arbeitete ich von 1994-96 mit jungen deutschen Kriegsdienstverweigerern in Flüchtlingslagern in der Nähe von Split in Kroatien, von 1997-1999 im Raum Zenica in Bosnien, seit 2001 in Petrovac an der Mlava und in Cardak in Serbien. Ein knappes Jahr lebte ich zusammen in unserem Haus mit einer bosnischen Bürgerkriegsfamilie, die aus Bosanska Dubica – dem heutigen Kozarska Dubica – fliehen musste. Neben der humanitären Arbeit wurde mir die Unterstützung der zahlreichen Friedensgruppen in allen ehemaligen Republiken immer wichtiger – ebenso die Aufklärungsarbeit über Hintergründe des Krieges in Deutschland, die auch zu einer Buchveröffentlichung führte.

Als mir Christiane Bertram Unterlagen der Initiative „Brücken bauen“ zur Vorbereitung dieses Tages zur Verfügung stellte, spürte ich sofort eine große Seelenverwandtschaft, die von Seite zu Seite wuchs – ebenso wie meine Hochachtung und Wertschätzung vor dem, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „Brücken bauen“ in den Jahren 1999 bis heute geleistet haben.

2. Vorstellung der Arbeit von „Brücken bauen“ und Würdigung

Bevor die Initiative „Brücken bauen“ gegründet wurde, wurden zunächst einmal Brücken zerstört: u.a. in Novi Sad. (2. BILD NOVI SAD)

Den Ursprung der heutigen Preisträger bildete eine Mahnwache gegen den Kosovo/Jugoslawien-Krieg. Gudrun Bastong, Barbara Brauner und Christiane Bertram gehörten – zusammen mit einigen der heute anwesenden Gäste zum „Urgestein“.

(BILD 3) „Was wäre aus uns geworden – wenn uns 1945 niemand geholfen hätte“ fragte Christiane Bertram und ergriff 1999 zusammen mit Heide Hamann noch

während der Bombardierung Jugoslawiens die Initiative für das Projekt „Brücken bauen“,

Nach der ersten Reise im Juni 1999 organisierte Werner Rossbach den Projektaufbau, Rosel Vogt und Gabriele Kirchhoff kamen dazu, ebenso Milan Relic und Hans Spenke, der ab 2004 Finanzchef wurde. Alle genannten Personen bilden heute den „Kern“ von „Brücken bauen“. Von Anfang an über viele Jahre dabei waren auch Josef Koll von Pax Christi und Frederike Berking.

 

Die achtjährige Arbeit der Initiative lässt sich zwei Phasen einteilen:

In der ersten Phase von 1999-2004 stand je zur Hälfte die humanitäre Arbeit und die Friedensarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Dazu zählten die Integration von Flüchtlingskindern, die Arbeit mit multiethnischen Gruppen und die Sommercamps.

Die zweite Phase der Initiative begann 2005 und hält bis heute an. Durch die Arbeit der ersten Jahre entstand ein öffentliches Interesse serbischer Medien an der Initiative „Brücken bauen“, das seither einen eigenen Schwerpunkt bildet. Neu hinzu kam der deutsch-serbische Jugendaustausch. Doch dazu später mehr.

Ich beginne mit der ersten Phase von 1999-2004

Die erste Reise von Mitarbeiterinnen der Initiative „Brücken bauen“ führte wenige Tage nach Ende des Krieges nach Novi Sad und Becej, einer Kleinstadt mit 44 000 Einwohner, wo bereits 1993 rund 2400 Flüchtlinge Aufnahme fanden.

Christiane Bertram und Heide Hamann kamen mit 10 000.- DM Spendengeldern sowie Medikamenten im Wert von 6000.- DM. Und sie ließen sich von der Not der vergessenen Menschen in Becej berühren. Wo viele andere wegschauten und verdrängten, schauten die beiden Frauen hin.

Wegen bereits bestehender sieben Städtepartnerschaften wurde der Antrag auf eine weitere Städtepartnerschaft zwischen Bergisch-Gladbach und Becej abgelehnt. Die Bürgermeisterin Maria Theresia Opladen setzte sich allerdings für „Brücken bauen“ im Stadtverband ein.

Im November 1999 nahm der Stadtverband für Entwicklungszusammenarbeit in Bergisch- Gladbach den Verein Brücken bauen als neues Mitglied auf und beschloss, die Hilfe für Becej als Gemeinschaftsprojekt von 16 Gruppen zu unterstützen.

Im Dezember 1999 brach ein erster LKW-Transporter mit 80 Kubikmeter Winterkleidung in Bergisch-Gladbach auf, ein zweiter folgte, weitere 65 000.- DM kamen an Spendengeldern zusammen.

Besonders 20 Romafamilien, die aus dem Kosovo wegen des dortigen Krieges fliehen mussten, konnte materiell geholfen werden. (BILD ROMAFAMILIE) Der Bruder dieses Mannes wurde erschlagen, seine Mutter getötet, seine Frau war gerade schwanger, als die Familie sich nach Becej aufmachte.

(BILD TURNHALLE)

Flüchtlingen, die in abgetrennten Boxen dieser Turnhalle ohne Privatsphäre leben mussten, konnte durch Patenschaften Linderung ihrer materiellen Nöte verschafft werden. 170 Menschen wohnten über viele Jahre in diesen Boxen von ca. 10 qm, pro Box rund 5 Personen. Am 1. September 2005 – dem internationalen Antikriegstag – wurde das Turnhallen-Flüchtlinglingslager aufgelöst.

Die Initiative „Brücken bauen“ half beim Neuanfang dieser Familien außerhalb des Lagers mit kleinen Krediten, finanzieller Unterstützung, bei der Rückkehr nach Kroatien oder ins Ausland.

Stellvertretend für viele junge und alte Menschen, deren Leid gelindert werden konnte, möchte ich zwei Bilder zeigen:

(BILD ALTE FRAU UND ENKELIN)

Eine 104 jährige Frau mit ihrer 4 jährigen Urenkelin, die Unterstützung bekam – und

(BILD EINER FLÜCHTLINGSFAMILIE) eine Flüchtlingsfamilie, die nach dem Auszug aus der Turnhallenbox ein neues Zuhause fand.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Initiative „Brücken bauen“ kamen nie mit leeren Händen (BILD VON CHRISTIANE B. UND KINDERN). Bald fanden Sie Ansprechpartnerinnen und -partner auf der serbischen Seite (BILD) – die Brücke konnte auf einem zweiten „Lager“ gefestigt werden.

(BILD ROSSBACH UND MARJANOVIC)

Zum „Brückenbau“ zwischen Bergisch Gladbach und Becej trugen ganz wesentlich der deutsche Finanzchef von „Brücken bauen“, Werner Rossbach, und der Gründer der serbischen Friedensorganisation „Tolerancija“, Zdravko Marjanovic bei.

Zusammen mit ihm arbeiteten bei „Tolerancija“ eine Gruppe von Frauen, (BILD FRAUEN) die Kinder und Jugendbegegnungen durchführten. (BILD)

Wie sah diese Arbeit konkret aus:

(BILD MULTIETHNISCHE MALGRUPPE )

Bei multiethischen Malkursen lernten Kinder Bilder auch Bilder gemeinsam zu gestalten. Bei Sport und Spiel kamen und kommen sich Kinder aus Bosnien und Serbien näher – deren Eltern möglicherweise noch Krieg gegeneinander geführt hatten. In multiethnischen Fotokursen (BILD) lernten und lernen Jugendliche sich und die anderen besser verstehen (BILD AUF SCHAUKEL).

Von 2004 bis 2006 konnten multiethnische Sommer-Jugendtreffen in Serbien durchgeführt werden, 2007 eines in Ungarn.

Dank der Vorarbeit von „Brücken bauen“ und des Kontaktes zu „Tolerancija“ konnte durch das Verdienst der evangelischen Kirchengemeinde Schildgen in diesem Jahr 2007 im Rahmen des evangelischen Kirchentages eine erste deutsch-serbische Jugendbegegnung auf deutschem Boden in Bergisch-Gladbach mit Jugendlichen aus Backa Palanka stattfinden.

(BILD AUF TREPPE).

Die Begegnung wurde inzwischen in einer zweisprachigen Broschüre dokumentiert- und ich möchte einige Jugendlichen aus Deutschland und Serbien mit ihren Eindrücken selbst zu Wort kommen lassen:

„Ich merkte, dass die serbischen Mädchen nicht viel anders waren als wir“, resümiert Melina Hacker.

Ähnlich empfindet Melita Vasic die gemeinsamen Tage: „Ich fürchtete, wir seien viel verschiedener, aber in der Tat sind wir sehr ähnlich, haben dieselben Wünsche, Ideen und Träume – als wären wir miteinander aufgewachsen“.

Jana Dunkel schreibt: „Ich erinnere mich noch an den Tag, wo wir in den Zoo gingen. Wir liefen alle eingehakt den Weg entlang und ich bin mir sicher, dass keiner mehr daran dachte, dass der neben ihm aus Deutschland oder Serbien kam, dass er eigentlich eine ganz andere Sprache spricht“.

Teodora Marjanocis hat für mich einen der bewegendsten Sätze formuliert: „Ich glaube, dass wir alle – Dank der neuen Freunde – reicher wurden, besser gesagt, wir sind Milliardäre geworden“.

Jelena Epli richtet einen wunderbar tiefsinnigen Appell an uns alle:

„Gründet Freundschaften, Leute, weil die Freundschaft der wahre Reichtum des Lebens ist. Nicht im materiellen Sinne, sondern im Herzen“.

Wie schwer allerdings Friedensarbeit manchmal von Behördenseite gemacht werden kann, zeigte das Verhalten der deutschen Botschaft in Belgrad: Sie wollte den Romakindern und zwei erwachsenen Begleitern der Jugendgruppe aus Serbien im Sommer 2007 die Einreise nicht gewähren. Die Hartnäckigkeit der Organisatoren führte in letzter Minute doch noch zum Einlenken – Friedensarbeit braucht viel Geduld und langen Atem.

Gesamtbilanz:

Zur Gesamtbilanz der achtjährigen Arbeit der Inititiative „Brücken bauen“ zählen: Kleidertransporte, Medizinische Unterstützung für Becej, Hilfen für Kosovoflüchtlinge sowie aus Kroatien vertriebene Flüchtlinge im Lager Partizan. Brennstoff wurde für alte und bedürfte Menschen über das Sozialamt verteilt, ebenso wie Schulspeisungen.

Zur Bilanz zählen weiterhin Unterstützungsleistungen für das gerontologische Zentrum, für Kindergärten und für Arbeitslose.

Die Friedensarbeit der Gruppe „Tolerancija“ in Backa Palanka und die Friedensarbeit im Becaj wurde mitfinanziert.

Insgesamt konnten bisher mit rund 400 000 Euro Menschen gefördert und mit zusätzlichen Sachspenden unterstützt werden. Mehr als 2000 Erwachsende erfuhren Linderung ihrer Not. Zusätzlich wurden in verschiedenen Projekten mehr als 2000 Kinder erreicht.

In einem Brief schrieb mir Christiane Bertram: „Die humanitäre Hilfe war einfach etwas, das angesichts der Not selbstverständlich war“. War es das wirklich?

Zu meinen größten existenziellen Rätseln gehört noch immer die Frage: Warum lassen sich Menschen von der Not anderer berühren und werden solidarisch Handelnde – und warum springt der Funke der Menschlichkeit bei vielen anderen nicht über?

Die Mitglieder der Initiative „Brücken bauen“ jedenfalls zündeten ein wunderbares Licht an – das auch in Zukunft noch vielen Menschen leuchten und zum Mitmachen anstiften möge.

Meinen ersten Teil der Laudatio möchte ich mit einem kleinen Ausblick beschließen:

Die Initiative „Brücken bauen“ plant im nächsten Monat wieder einen Besuch in Becej und Backa Palanka.

Der heutige Stiftungspreis soll mithilfen, das multiethnische Sommercamp 2008 finanziell zu sichern.

Ebenfalls im Jahre 2008 wird es einen Gegenbesuch von Jugendlichen aus Bergisch-Gladbach bei Jugendlichen der Friedensgruppe in Backa Palanka geben.

Für alle diese Friedenspläne der Zukunft wünsche ich den sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von „Brücken bauen“ einen langen Atem und viele beglückende Begegnungen!

3. Der größere politische Kontext der Initiative „Brücken bauen“

Dass die Initiative „Brücken bauen“ über das rein Humanitäre und Friedenspädagogische der Kinder- und Jugendarbeit hinaus weitere hochpolitische Ansätze hat, wurde mir beim Lesen eines Artikels von Christiane Bertram bewusst. Sie schrieb im April 2000 in der „Altenberger Dompost“:

„Wenn ein Kind mich angstvoll fragt: ´Willst du uns jetzt alle töten?´ – weil ich eine Deutsche bin – dann ist die richtige Zeit für Friedensarbeit.

Wenn ein Kind sich in Todesangst vor mir unter dem Bett verkriecht, weil ich aus Deutschland komme – dann ist die richtige Zeit für Friedensarbeit.

Wenn ich in Kinderaugen schaue, wie in einen Abgrund aus Verlorenheit, Trauer und Schmerz, den die erwachsene Welt zugefügt hat, dann ist es Zeit, über die Zukunft dieser Kinder, über Heilung und Frieden nachzudenken“.

Wie konnte es überhaupt geschehen, dass die deutsche Luftwaffe 1999 am NATO geführten Krieg gegen Jugoslawien teilnahm? Warum galt in Deutschland das jahrzehntelange „Nie wieder Krieg“ nicht mehr? Warum mussten die gezeigten Flüchtlinge, die in Becej Zuflucht fanden, überhaupt 1991 aus Kroatien und 1993 aus Bosnien-Herzegowina fliehen?

Wieso musste die gezeigte Romafamilie 1999 aus dem Kosovo fliehen?

Warum wurde die Arbeit der Initiative „Brücken bauen“ überhaupt notwendig?

Mir ist bewusst, dass die Beantwortung dieser Fragen den Rahmen der heutigen Feier sprengen würde. Dennoch möchte ich wenigstens in groben Umrissen den Verlauf der Tragödie auf dem Balkan nachzeichnen – und wie insbesondere die deutsche Politik verstrickt war und ist.

(BILDER)

Die Parlamentarische Versammlung der Nato – ein von der Nato unabhängiges Gremium, das als Bindeglied zwischen dem Bündnis und den nationalen Parlamenten fungiert – hat im Dezember 2000 einen „Generalbericht“ verabschiedet über „Die Folgen des Kosovo-Konfliktes und seine Auswirkungen auf Konfliktprävention und Krisenmanagement“

Darin heißt es:.

„So nutzte die UCK das Holbrooke-Milosevic-Abkommen als Atempause, um ihre Kräfte nach den Rückschlägen des Sommers zu verstärken und neu zu gruppieren. Die serbischen Repressionen ließen unter dem Einfluß der KVM in der Zeit von Oktober bis Dezember 1998 nach. Dagegen fehlte es an effektiven Maßnahmen zur Eindämmung der UCK, die weiterhin in den USA und Westeuropa – insbesondere Deutschland und der Schweiz – Spenden sammeln, Rekruten werben und Waffen über die albanische Grenze schmuggeln konnte. So nahmen die Angriffe der UCK auf serbische Sicherheitskräfte und Zivilisten ab Dezember 1998 stark zu. Der Konflikt eskalierte neuerlich, um eine humanitäre Krise zu erzeugen, welche die NATO zur Intervention bewegen würde.“

Im Vorwort zu meinem Buch „Die neue NATO, Irak und Jugoslawien“ (Minden, 2002) schreibt der leider inzwischen verstorbene Friedensforscher Prof. Dieter S. Lutz:

Nach deutschem Verfassungsrecht ist die Entscheidung für Krieg ohne Kenntnis der Daten und Fakten verfassungswidrig. Artikel 26 Absatz 2 des Grundgesetzes verlangt vielmehr zweifelsfreie Gewißheit. Die Entscheidung der Nato, einschließlich Deutschlands, Jugoslawien zu bombardieren, basierte aber gerade nicht auf zweifelsfreier Gewißheit, sondern auf einem unbestimmten „Gefühl“, wie die Parlamentarierversammlung heute zugibt: „Mit dem bis heute nicht restlos aufgeklärten angeblichen Massaker von Racak entstand das Gefühl eines Handlungsbedarfs, das nach dem Scheitern der Rambouillet-Verhandlungen zu den von der UCK herbeigesehnten Nato-Luftangriffen führte.“

Aus einer Lageanalyse des Auswärtigen Amtes vom 19. März 1999 geht hervor, dass die politischen Entscheidungsträger bereits vor dem Krieg Bescheid gewußt haben müssen. In der internen Vorlage, die wenige Tage vor Beginn des Nato-Bombardements vom 24. März angefertigt und an den Außenminister sowie an das Bundesverteidigungsministerium weitergereicht wurde, heißt es expressis verbis, daß der Waffenstillstand nicht allein von den Serben, sondern „von beiden Seiten nicht mehr eingehalten“ wird. Als Ziele der Operationen der jugoslawischen Streitkräfte (VJ) werden ferner auch nicht Völkermord und Vertreibung angegeben. Ziel sei vielmehr, „durch gezielte Geländebereinigung sämtliche Rückzugsmöglichkeiten für die UCK zu beseitigen“.

Die Zivilbevölkerung werde in der Regel sogar „vor einem drohenden Angriff durch die VJ gewarnt“. Allerdings werde „die Evakuierung der Zivilbevölkerung vereinzelt durch lokale UCK-Kommandeure unterbunden“. Nach Abzug der serbischen Sicherheitskräfte kehre die Bevölkerung meist in die Ortschaften zurück. Eine Massenflucht in die Wälder sei nicht zu beobachten. Und dann heißt es: „Von Flucht, Vertreibung und Zerstörung im Kosovo sind alle dort lebenden Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betroffen. Etwa 90 vormals von Serben bewohnte Dörfer sind inzwischen verlassen. Von den einst 14 000 serbisch-stämmigen Kroaten leben nur noch 7000 im Kosovo. Anders als im Herbst/Frühwinter 1998 droht derzeit keine Versorgungskatastrophe.“

Diese Lageanalyse des Auswärtigen Amtes vom 19. März 1999 wird auch durch den vertraulichen Lagebericht der Nachrichtenoffiziere des Verteidigungsministeriums vom „23. März, 15.00 Uhr“ bestätigt. In diesem Bericht, erstellt einen halben Tag vor Kriegsbeginn, heißt es ausdrücklich: „Das Anlaufen einer koordinierten Großoffensive der serbisch-jugoslawischen Kräfte gegen die UCK im Kosovo kann bislang nicht bestätigt werden.“ Zu einer großangelegten Operation gegen die UCK im gesamten Kosovo seien die serbisch-jugoslawischen Kräfte nicht fähig.

Schon damals formulierten die Nachrichtenoffiziere eine Aussage, die sich beute auch im Generalbericht der Nato-Parlamentarier findet: „Die UCK ihrerseits wird wahrscheinlich weiter versuchen, durch die bekannten Hit-And-Run-Aktionen die serbisch-jugoslawischen Kräfte zu massiven Reaktionen zu provozieren in der Hoffnung, daß diese in ihren Ergebnissen hinsichtlich Zerstörungen und Flüchtlingen ein Ausmaß annehmen, das sofortige Luftschläge der Nato heraufbeschwört.“ Soweit Professor Lutz.

Vielleicht ist nun auch deutlicher geworden, warum Christiane Bertram mir in einem Brief schrieb, dass eine ihrer Motivationen zur Friedensarbeit war, „der einseitigen Propaganda in Deutschland gegenüber Serbien etwas entgegen zu setzen“.

Ich bin der Überzeugung, dass Versöhnung und Heilung auch auf höherer politischer Ebene gelingen kann. Vielleicht ist sie auch das Ergebnis und die Frucht vieler kleiner Brücken bauender Initiativen auf lokaler und überregionaler Ebene.

Versöhnungsarbeit setzt die redliche Aufarbeitung der eigenen schuldhaften Geschichte und die Anerkenntnis eigener Fehler voraus. Ob die Gegenseite, der Unrecht angetan wurde, die auf dieser Basis ausgestreckte Hand annimmt, hängt von der Tiefe der Wunden und dem Vertrauen in die Reue der Täterseite ab. Willy Brandt hat mit seinem Kniefall in Warschau ein heilendes Zeichen der Versöhnung auf höchster politischer Ebene gesetzt, das wohl mehr als ausdrückte als tausend Worte.

Als Theologe möchte ich mich an die Weisung Jesu halten und dem Erkennen des Balkens im eigenen deutschen Auge den Vorrang vor dem Erkennen der Splitter im serbischen Auge geben. Letzteres ist meines Erachtens Aufgabe der Friedens- und Menschenrechtsgruppen in Serbien und den anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawien.

4. Vision vom Brücken-Bauen deutscher Politiker

Während der Vorbereitung dieser Rede wünschte ich mir das Wahrwerden einer Vision:

Ich wünschte mir, dasss nacheinander, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, Rudolf Scharping, Joschka Fischer und Gerhard Schröder ein kurzes Grußwort an unsere heutige Versammlung richteten. Ein Grußwort, dass eine Brücke der Verständigung und Versöhnung baut zwischen Deutschen und Serben.

Zuvor ergriff jedoch in meiner Vision der Chefredakteur der Bild-Zeitung das Wort. Er entschuldigte sich – auch im Namen anderer Redaktionen deutschsprachiger Medien – für die massive Kriegspropaganda während der Jugoslawienkriege. Die deutschen Medien hätten das Memorandum der serbischen Akademie der Wissenschaften Mitte der neunziger Jahre sowie die Rede Milosevics auf dem Amselfeld 1989 in ihren nationalistischen Tönen breit behandelt, während die kroatischen und bosnischen nationalistischen Tendenzen weithin weniger Beachtung gefunden hätten. Die Pogrome z.B. im kroatischen Zadar unmittelbar vor Kriegsbeginn 1991 gegenüber serbischen Geschäften seien nahezu todgeschwiegen worden, bedauerte der Chefredakteur. Gleichzeitig dankte er den beiden WDR-Journalisten Jo Angerer und Matthias Werth, dass sie mit ihrer mutigen Film-Dokumentation „Es begann mit einer Lüge“ die Ehre des deutschen Journalismus wieder ein Stück weit hergestellt hatten.

Als nächster sprach in meiner Vision vom deutsch-serbischen Brückenbau der frühere deutsche Außenminister Hans Dietrich Genscher und sagte: „Mein unerwarteter plötzlicher Rücktritt 1992 war das Eingeständnis meiner schwerwiegendsten politischen Fehlentscheidung, 1991 Kroatien und Slowenien vorzeitig anzuerkennen. Ich hatte nicht auf die dringende Warnung des damaligen UNO-Generalsekretärs Perez de Cuellar gehört, der mir in einem Brief prophezeit hatte, eine voreilige deutsche Anerkennung würde der Funke sein, der den gesamten Balkan in Brand setzt. Ich hatte auch nicht auf den letzten deutschen Botschafter im noch nicht zerfallenen Jugoslawien, Hansjörg Eiff, gehört, der ebenfalls vor den verheerenden Folgen der deutschen Anerkennungspolitik warnte. Ich entschuldige heute dafür, nicht den Bericht des von der Europäischen Union beauftragten französischen Verfassungsrichters Banditer abgewartet zu haben. Wegen der bereits erkennbaren Unterdrückung der serbischen Minderheit in Kroatien war dieser im Frühjahr 1992 zu dem Ergebnis gekommen, dass insbesondere Kroatien nicht die Voraussetzungen für eine Anerkennung als eigenständiger Staat erfüllt. Zusammen mit Helmut Kohl war ich einfach vorgeprescht und wir hatten schon die Anerkennungsurkunden an Slowenien und Kroatien losgeschickt, noch bevor dieser EU-Bericht überhaupt fertig war.

Ich möchte mein tiefstes Bedauern darüber ausdrücken, dass diese Fehlentscheidung in die Eskalation und zu so vielen Opfern führte. Zao mi je – es tut mir Leid!

In meiner Vision ergriff als nächster Altkanzler Helmut Kohl das Wort:

„Ich hatte sehr leichtfertig im Sommer 1991 meinem kroatischen Kollegen Franjo Tudman versprochen, dass er bis Weihnachten 1991 die Anerkennungsurkunde in den Händen hält.

Im Glück der deutschen Wiedervereinigung und im Bewusstsein der neuen Stärke Deutschlands hatte ich versucht, als größter EU-Zahler die anderen europäischen Staatschefs teilweise mit Erpressungen dazu zu bringen, der deutschen Anerkennungspolitik zu folgen.

Weil mir Kroatien sehr viel näher stand als Serbien, hat die Bundesregierung unter meiner Führung allein zwischen April 1992 und April 1994 Waffen im Wert von rund 320 Millionen an Kroatien Dollar geliefert – und damit trotz offiziellem Waffenembargo Öl ins bereits lodernde Balkan-Feuer gegossen. Ich sehe heute, wohin dies geführt hat – und möchte mich bei allen Opfern und ihren Familien entschuldigen“. Zao mi je – es tut mir Leid!

Meine Vision ging weiter:

Rudolf Scharping betrat den Raum und sagte:

„Ich habe als damaliger Verteidigungsminister schwere Schuld auf mich geladen. Der so genannte „Hufeisenplan“, der die serbischen Vertreibungen im Kosovo belegen und das deutsche Kriegshandeln rechtfertigen sollte, war im Bundesverteidigungsministerium geschrieben worden. Dass ich öffentlich Bilder toter Albaner gezeigt und von einem Massaker in Rugovo gesprochen habe, obwohl diese bei Kämpfen zwischen der UCK und den serbischen Sicherheitskräften ums Leben gekommen waren, war mir bewusst.

Dass es beim so genannten „Massaker von Racak“ , das mit zum Auslöser des NATO-Krieges wurde, viele Fragezeichen und Ungereimtheiten gab und bis heute gibt, war mir bekannt.

Ich werde mich dafür einsetzen, das der immer noch unter Verschluss der Regierung gehaltene Untersuchungsbericht des Massakers öffentlich gemacht wird.

Meine Aussagen von einem Konzentrationslager im Stadion von Pristina, in dem tausende Albaner von serbischer Seite zusammen getrieben sein sollten, war Propaganda zur Rechtfertigung meiner Entscheidung, deutsche Tornados in den Krieg zu entsenden.

Ich möchte den deutschen General Heinz Loquai, der für die Kosovo-OSZE-Mission in Wien gearbeitet hatte, und dessen Vertrag ich nicht verlängerte, rehabilitieren. Mit seinen beiden kritischen Kosovo-Büchern hat er gezeigt, was wirkliche soldatische Tapferkeit und Mut bedeuten.

Ich übernehme die Verantwortung für all meine Lügen und bitte die Opfer im Kosovo/Jugoslawienkrieg um Vergebung“. Zao mi je – es tut mir Leid!

Als Rudolf Scharping sich gesetzt hatte, ergriff in meiner Vision Joschka Fischer das Wort:

„Als die rot-grüne Regierung im Herbst 1998 die Wahl gewonnen hatte, mussten die grüne Partei einen hohen Preis dafür bezahlen, dass sie die Macht antreten und ich Außenminister werden konnte. Die damalige Regierung in Washington wollte unbedingt, dass wir der NATO noch vor Regierungsantritt eine Blankovollmacht für ein militärisches Eingreifen geben – auch ohne UN-Mandat. Damit wollte die US-Regierung uns wohl den letzten pazifistischen Zahn ziehen – und die CDU hoffte natürlich, dass die rot-grüne Koalition an dieser Frage zerbricht, bevor sie überhaupt die Arbeit aufgenommen hat. Letztendlich war mir der Antritt der Macht wichtiger als das Völkerrecht und das Grundgesetz – und ich sehe heute, dass ich damit die Wurzeln grüner Politik verraten hatte. Mit meiner Parole „Nie wieder Auschwitz und nie wieder Krieg“ brachte ich die grüne Partei auf Kriegskurs. Mir waren die Lageberichte des Auswärtigen Amtes, die von schweren Menschenrechtsverletzungen auf albanischer und serbischer Seite sprachen, natürlich bekannt. Mit der Offenlegung der tatsächlichen sehr komplexen und differenzierten Sicherheitslage auf dem Balkan hätte ich allerdings keine Mehrheit der Grünen für einen Militäreinsatz bekommen.

Bei den Verhandlungen in Rambouillet wenige Wochen vor Kriegsbeginn wurde der serbischen Seite ein Vertrag zur Unterschrift vorgelegt, den – wie Rudolf Augstein später sagte -, kein Serbe mit Schulbildung hätte unterschreiben können. Die US-Regierung wusste, dass Milosevic niemals zustimmen würde, dass auf dem gesamten Territorium Serbiens NATO-Truppen stationiert würden, wie dies der Rambouillet-Vertrag forderte. Auch mir war klar, dass damit der serbischen Seite eine Hürde aufgebaut werden sollte, die sie nicht überspringen konnte. Die US-Regierung wollte wohl einen Präzedenzfall schaffen für ein militärisches Eingreifen ohne UN-Mandat, um das parallel verhandelte neue Strategische Konzept der NATO mit Fakten zu unterfüttern. Ich bedauere, was ich angerichtet habe – und dass ich zusammen mit Gerhard Schröder dem aufgebauten Zeitdruck aus Washington zu wenig entgegen gesetzt habe. All dies bereue ich zutiefst, da all diese Handlungen zulasten der serbischen Seite gingen. Zao mi je – es tut mir Leid!

Als letzter kam Gerhard Schröder.

„Als Regierungschef übernehme ich die volle Verantwortung für alle Fehler und Versäumnisse. Rückblickend hätte es durchaus Alternativen gegeben. Die kleine Friedensorganisation „St. Egidio“ in Rom hatte noch 1998 erfolgreich ein Kulturabkommen zwischen Serben und Albanern im Kosovo ausgehandelt, auf dem weitere Schritte hätten aufgebaut werden können. Es gab auch wirkliche Alternativen zum NATO-Krieg gegen Serbien. Anfang August 1998 hatte der US-Botschafter bei der NATO in Brüssel, Alexander Vershbow, einen detaillierten Plan mit dem Titel: „Kosovo: Es ist Zeit für eine andere Lösung“ vorgelegt. Der Plan des US-Botschafters sah vor, dass sich Washington und Moskau auf ein UN-Mandat und eine gemeinsame Schutztruppe von russischen und NATO-Soldaten einigen, um die schweren Menschenrechtsverletzungen im Kosovo zu beenden. Dies hätte den Vorteil gehabt, dass durch das russische Engagement auch die serbische Seite sich in ihren Interessen vertreten gefühlt hätte. Ich bedaure heute, dass ich als Regierungschef nicht deutlicher in Washington diesen Vorschlag unterstützt habe.

Auch die allerletzte Chance zur Verhinderung der Krieges wurde von mir zu wenig unterstützt: Die OSZE-Mission, die nie ihre volle Personalstärke erreichte. Es stellt sich mir heute die Frage, warum so wenig Geld und Personal für diese Mission zur Verfügung gestellt wurde. Leider hatte die OSZE mit William Walker, dem US-Leiter der Mission, den Bock zum Gärtner gemacht. Mit seiner medienwirksamen Präsentation der Leichen in Racak im Januar 1999 zündete er die Lunte zum Krieg, ohne zuvor das Gelände untersucht und Hintergründe der dort stattgefundenen Kämpfe recherchiert zu haben. Ich habe heute den Eindruck, die OSZE sollte keinen Erfolg haben, damit sich die US-geführte NATO als einziges wirksames Kriseninterventions-Instrument beweisen konnte.

Als Staatschef war ich froh, dass viele der 350 000 bosnischen Flüchtlinge in Deutschland gerade wieder zurück gekehrt waren – und ich dachte, mit einem kurzen Krieg könnten die Flüchtlinge aus dem Kosovo ortsnah untergebracht und sofort wieder in ihre Heimat zurückkehren, ohne erneut die deutschen Sozialkassen zu belasten. Es kam anders – der Krieg dauerte viel länger als erwartet – und ich sehe alle Fehler meiner Politik. Ganz besonders möchte ich mich bei den Menschen in Serbien dafür entschuldigen, dass ich behauptet habe, der Kriegseinsatz würde die „historische Schuld“ Deutschlands verblassen lassen, wie ich bei meinem Besuch deutscher Soldaten im Kosovo im Sommer 1999 behauptet hatte. Deutschland hat mit diesem Krieg im Gegenteil eine historische Schuld auf sich geladen, an der noch Generationen zu tragen haben werden. Mit meinem Schuldeingeständnis möchte ich den Weg bahnen zu einem neuen Miteinander zwischen Berlin und Belgrad. Ich möchte als Altbundeskanzler eine Brücke des Vertrauens mithelfen zu bauen und mich für Entschädigungszahlungen der Opfer dieses Krieges bei der derzeitigen schwarz-roten Regierung einsetzen. Zao mi je – es tut mir Leid!

Ob wir die Wirklichkeit dieser Vision noch erleben werden?
Sie hängt von uns allen ab – auch von unserem beharrlichen Einsatz zur Aufklärung der Ereignisse in Jugoslawien 1999, der noch einen langen Atem brauchen wird.

5. Grundsätze meiner Friedensarbeit

Zum Schluss möchte ich noch einige Grundsätze meiner Friedensarbeit mit Ihnen teilen, die mir in den letzten 25 Jahren wichtig geworden sind:

1. Das Gegenteil von Liebe ist in den meisten Fällen nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.

2. Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort – dort treffen wir uns. (Mevlana Rumi, Sufi)

3. Wenn jemand anderer Meinung ist als ich, kann ich von ihm / ihr lernen.

4. Ein Feind ist ein Mensch, dessen Geschichte noch nicht gehört wurde.

5. Wenn ich sollen und müssen aus meinem Sprachschatz streiche, lebe ich glücklicher und zufriedener.

6. Zwischen Aktion und Reaktion gibt es einen Moment, dessen Bewusstwerdung mir viele Handlungsmöglichkeiten schenkt.

7. Angstfreiheit und Zivilcourage sind sind Voraussetzungen jeglichen Friedensangagements.

8. Die Integration unserer Schattenseiten bilden das Fundament gelingender Friedensarbeit.

9. Wenn ich den inneren Frieden verliere, kann ich für den äußeren Frieden nichts mehr tun.

10. Hoffnung heißt, leiden an der Wirklichkeit und Leidenschaft für das Mögliche! (frei nach Sören Kierkegaard)

So bleibt mir nun nur noch, der Initiative „Brücken bauen“ ganz herzlich zum Annette Barthelt-Friedenspreis zu gratulieren – ebenso der Annette Barthelt Stiftung selbst für diese ausgezeichnete Wahl.

Ihnen allen danke ich fürs Zuhören. Hvala ljepo.

Literaturhinweis:

Alle Belege für in diesem Text gemachte Aussagen sind zu finden in:

Clemens Ronnefeldt, Die neue NATO, Irak und Jugoslawien, hg. vom Deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes, 2. Auflage, Minden 2002. www.versoehnungsbund.de

Kontaktadresse:

Clemens Ronnefeldt
Referent für Friedensfragen
beim Internationalen Versöhnungsbund – Deutscher Zweig
A.-v.-Humboldt-Weg 8a
85354 Freising
Tel.: 08161 54 70 15
Fax: 08161 54 70 16
C.Ronnefeldt@t-online.de
www.versoehnungsbund.de

Spendenkonto für die Arbeit des Versöhnungsbund-Friedensreferates: Sparkasse Minden-Lübbecke, Konto-Nr. 400 906 72, BLZ 490 501 01 Stichwort: „Friedensreferat“.

 

 

 

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